Iran: Wirtschaftliche Not trotz Sanktionen – und trotz globalem Handel

In ihrem sehr lesenswerten Artikel „Die Geldquellen der Mullahs“ in der Frankfurter Allgemeine Zeitung am 15.1.2026 beleuchtet Marie Welling, wie der Iran sich trotz jahrzehntelanger westlicher Sanktionen finanzieren und im Welthandel behaupten kann. Den vollständigen Beitrag finden Sie unter: https://lnkd.in/dg755CMF.
Danke an dieser Stelle, dass Dr. Ulrich L. Göres, Managing Partner TURN Advisory, Founder & Senior Partner Law Firm Dr. Göres als Interviewpartner zur Verfügung stehen durfte.
📌 Wirtschaftliche Misere im Inland
Die Islamische Republik steht unter enormem wirtschaftlichem Druck: hohe Inflation, wirtschaftliches Missmanagement und soziale Unzufriedenheit prägen das Land.
📌 Sanktionen und Handel
Seit dem Ausstieg der USA aus dem dem sog. Joint Comprehensive Plan of Action (JCPoA), sind Ölhandel und Finanztransaktionen stark eingeschränkt. Der Ausschluss der wesentlichen iranischen Banken vom internationalen SWIFT-System erschwert den Zahlungsverkehr und bremst Im- und Exporte. Hinzu kommen mögliche zusätzliche Zölle auf alle Handelspartner Irans.
📌 China als zentrale Säule
Trotz dieser Restriktionen bleibt China der wichtigste Handelspartner, insbesondere für iranisches Öl, das den größten Teil der Exporte ausmacht.
📌 Komplexe Finanz- und Handelsstrukturen
Um Sanktionen zu umgehen, bedienen sich Handelspartner komplexer Konstrukte mit Zwischenhändlern, Schein- und Briefkastenfirmen – oft über Drittstaaten. Auch alternative Zahlungswege und Kryptowährungen werden zunehmend genannt, was die Nachverfolgbarkeit zusätzlich erschwert.
📌 Handel mit Europa und Deutschland
Obwohl der Handel mit Europa seit 2018 deutlich eingebrochen ist, bestehen weiterhin Verbindungen – vor allem im Bereich humanitärer Güter wie Medizin, Lebensmittel und Maschinen. Deutschland bleibt innerhalb der EU ein relevanter Partner, wenn auch in reduziertem Umfang.
⚠️ Compliance-Herausforderungen
Die Umgehung von Sanktionen über Drittländer birgt weiterhin signifikante Risiken im Hinblick auf Geldwäsche-, Terrorismusfinanzierungs- und Proliferationsverdacht. Hinzu kommt das Risiko von Umgehungen bestehender weltweiter UN-, US, EU and weiterer nationaler Sanktionsregime, insbesondere auch durch althergebrachte informelle Zahlungssysteme wie HAWALA (siehe hierzu auch das Seminar am 17.3.2026 der AH Akademie für Fortbildung Heidelberg GmbH von Tommas Kaplan, LL.M. und Dr Ulrich L Goeres).

🔎 Fazit:
👉 Der Iran nimmt trotz massiver Sanktionen weiterhin am globalen Handel teil – ein Spannungsfeld mit politischen, wirtschaftlichen und regulatorischen Implikationen, die sowohl für Finanzinstitutionen, Unternehmen als auch für Aufsichts- und Strafverfolgungsbehörden von elementarer Bedeutung bleiben.
👉 Finanzinstitutionen und Unternehmen sind mehr denn je aufgerufen, die unterschiedlichsten Sanktions- und Embargoregime zu implementieren fortlaufend zu kontrollieren und verbessern.